Tag der Solidarität – Solidarität statt Schlussstrich!

03.04. Onlinetalk mit Caro Keller von NSUwatch über den Prozess zum Mord an Walter Lübcke, die Kontinuitäten des Rechtsterrors und seine Spuren nach Dortmund

 

2006 wurde der bei vielen beliebte Kioskbetreiber Mehmet Kubaşık von Neonazis des Nationalsozialistischen Untergrundes (NSU) in seinem Kiosk in der Dortmunder Mallinckrodtstraße erschossen. Am 4. April jährt sich dieser Mord nun zum 15. Mal. Neben der Gedenkkundgebung am 4. April gibt es einige weitere Veranstaltungen. Unter anderem laden wir am 3. April um 18 Uhr zu einem Online-Talk mit Caro Keller von NSU Watch über den Mord an Walter Lübcke, den NSU-Komplex und die Spuren des Rechtsterrorismus, die auch nach Dortmund führen.

Zum Onlinetalk: Am 1. Juni 2019 wurde der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke in Wolfhagen bei Kassel ermordet. Schnell wurde klar: Der Täter hatte Walter Lübcke ermordet, weil der sich Rassisten in den Weg stellte. Im Januar wurde Stefan Ernst wegen Mordes verurteilt. Vom Vorwurf des versuchten Mordes an Ahmed I., der 2016 in Lohfelden auf der Straße angegriffen und lebensgefährlich verletzt wurde, wurde er freigesprochen. Auch Markus H., ebenfalls bekannter Neonazi und der Beihilfe angeklagt, verließ das Gericht mit einem Freispruch.

Stefan Ernst war kein radikalisierter Einzeltäter. Er war jahrelang in der Kasseler Neonaziszene verankert – und zwar in einer Zeit großer Stärke. 2009 war er am Angriff der DGB Kundgebung in Dortmund beteiligt, und war auch aktiv, als der NSU sich durch Deutschland mordete. Dabei gibt es zwischen Kassel und Dortmund enge Verbindungen. Beide Szenen waren eng vernetzt, Mehmet Kubaşık und Halit Yozgat starben im Abstand von nur zwei Tagen. Unmöglich, dass das NSU-Kerntrio keine lokale Unterstützung hatte.

Caro Keller arbeitet bei der Initiative NSUwatch seit Jahren zu rechten Strukturen und Rechtsterrorismus in Deutschland und hat den Prozess zum Mord an Walter Lübcke beobachtet. Im Online-Talk spricht sie über den Prozess, über die Kontinuität rechter und rassistischer Gewalt und bis heute bestehende Spuren von Kassel nach Dortmund und NRW.

3. April um 18 Uhr
Anmeldung vorab per Mail: fgr-kontakt@asta.tu-dortmund.de oder buendnis_tagdersolidaritaet@keinschlussstrich-do.de

(der Link wird eine halbe Stunde vor der Veranstaltung verschickt)

Die übrigen Veranstaltungen

30.3., 18 Uhr
Poetry Slam der DIDF Jugend, 18Uhr, Katharinentreppen, Dortmund (Link zu Facebook)31.3., 18 Uhr
Online -Veranstaltung „Die rechte Gefahr“ mit Katharina König und Antonia von der Behrens (online Anmeldung über Auslandsgesellschaft)
Einwahllink: https://auslandsgesellschaft.my.webex.com/auslandsgesellschaft.my/j.php?MTID=mc09655d7411a70d793a20f5adf8f4ef64.4. 14 Uhr
Tag der Solidarität, Kundgebung vor dem Mahnmal für die Opfer des NSU / Hbf Nord
Das Gedenken ist eine politische, jedoch keine parteipolitische Veranstaltung. Auf Wunsch der Familie bitten wir darum, Partei- und Organisationsfahnen zu Hause zu lassen. Bitte beachtet im Sinne des Infektionsschutzes: Seid solidarisch, kommt mit
medizinischer Maske, haltet Abstand!

10.04., 18 Uhr
Online-Gespräch von Birgit Mair (Initiatorin der Ausstellung „Die Opfer des NSU“) mit Gamze Kubaşık
Anmeldung: info@isfbb.de

Der Aufruf

Niemand wird vergessen
hiç unutmadık,
hiç unutmayacağız
2006 wurde der bei vielen beliebte Kioskbetreiber Mehmet Kubaşık von Neonazis des Nationalsozialistischen Untergrundes (NSU) in seinem Kiosk in der Dortmunder Mallinckrodtstraße erschossen. Am 4. April jährt sich dieser Mord nun zum 15. Mal.
„Mein Vater war ein aufgeschlossener, ehrlicher Mensch, der ganz viele Späße gemacht hat. Man mochte ihn einfach,“ sagt Gamze Kubaşık über ihren Vater.
Mit dem Ende des NSU-Prozesses im Sommer 2018 wurde die Botschaft vermittelt, der NSU sei Geschichte. Von staatlicher Seite ist wohl keine weitere Aufdeckung und Aufklärung zu erwarten. Dabei sind zentrale Fragen ungeklärt Die Geheimdienste mauern lieber, als ihre nutzlose, unverantwortliche und tödliche Praxis zu beenden. Täglich werden rechte Anschläge verübt. Immer noch werden neue Informationen zu rechten Netzwerken und rechten Umtrieben innerhalb von Polizeiapparaten bekannt. Das NRW-Innenministerium zählte in den letzten Jahren 186 Verdachtsfälle bei den NRW-Polizeien, 14 davon in Dortmund, 50 in Essen, wo der Skandal um rechte Chatgruppen seinen Anfang genommen hatte. Trotzdem will ein Sonderbericht keine Netzwerkstrukturen erkennen. Dass der Essener Polizeipräsident trotz jahrelangen Führungsversagens und Blockade bei der Aufklärung, Konsequenzen erfahren wird, ist nicht zu erwarten.
Das alles zeigt uns: Angesichts der ständigen Enttarnung rechtsterroristischer Gruppen und den Erfolgen rassistischer und antisemitischer Organisationen von der AfD bis zu „Querdenken“, kann unser Gedenken nicht unpolitisch sein!
Als Bündnis fordern wir: Erinnerung, Aufklärung und Konsequenzen! Wir schließen uns den Fragen der Angehörigen zum NSU-Komplex an:
„Warum mein Vater? Was ist passiert? War er ein Zufallsopfer?“
Gamze Kubaşık im Dezember 2020
„Wie konnte eine bewaffnete Gruppe über Jahre hinweg faschistische Morde und Anschläge in Deutschland begehen?“ – „Warum wurden sie nicht gestoppt?“ – „Was wusste der Staat davon?“ – „Gehörten zu der Gruppe Nazis
aus Dortmund?“ – „Liefen die Helfer dieser Mörder  vielleicht in einer der vielen Nazidemonstrationen mit?“
Elif Kubaşık im April 2020
Als Bündnis wollen wir eine Gesellschaft, in der Rassismus keinen Platz hat und wir gemeinsam unsere Zukunft gestalten! Seit 15 Jahren fordern die Angehörigen der Opfer umfassende Aufklärung. Seit Jahren fordern sie weitere lokale Ermittlungen, gerade in Dortmund. Ihren Forderungen schließen wir uns nach wie vor an, denn sie sind angesichts der tödlichen Gefahr rechten Terrors und der Enttarnung von Nazis in der Polizei aktueller denn je. Wir wehren uns gegen die nicht enden wollende Verharmlosung und Vertuschung extrem rechter Verbrechen und des Rassismus‘ in unserer Gesellschaft. Dabei dürfen wir niemals vergessen: Rassismus tötet.
Vor diesem Hintergrund wollen wir gemeinsam am 4. April um 14 Uhr auf die Straße gehen und unsere Solidarität mit den Angehörigen der Mordopfer und allen Betroffenen rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt zeigen.
„Wir wollen 100-prozentige Aufklärung,
nichts anderes.“ (Gamze Kubaşık)
In Erinnerung an Mehmet Kubaşık
und alle Opfer rechter, rassistischer und
antisemitischer Gewalt!
Solidarität statt Schlussstrich!
Schulter an Schulter gegen Faschismus
und Rechtsruck!
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In Erinnerung an
Enver Şimşek
Abdurrahim Özüdoğru
Süleyman Taşköprü
Habil Kılıç
Mehmet Turgut
İsmail Yaşar
Theodoros Boulgarides
Mehmet Kubaşık
Halit Yozgat
Michèle Kiesewetter
und alle anderen
Opfer rechter Gewalt.

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*Zur Teilnahme an den Online-Veranstaltungen
schreibt uns bitte eine Mail an: buendnis_tagdersolidaritaet@keinschlussstrich-do.de
Das Gedenken ist eine politische,
jedoch keine parteipolitische Veranstaltung.
Auf Wunsch der Familie bitten wir darum, Partei- und Organisationsfahnen zu Hause zu lassen.
Bitte beachtet im Sinne des Infektionsschutzes:
Seid solidarisch, kommt mit
medizinischer Maske, haltet Abstand!