Vortrag (16.11.): Warum erschoss die Polizei einen 16-Jährigen?

Am 08.08.2022 tötete die Polizei Dortmund den 16-jährigen Mouhamed Lamine Dramé in der Nordstadt. Mouhamed, der aus dem Senegal nach Deutschland geflüchtet war, war in einer psychischen Krise. Bereits 2 Tage zuvor hatte er Hilfe in der psychiatrischen Klinik der LWL gesucht und war wieder heimgeschickt worden. An seinem Todestag hatten die Betreuer*innen seiner Wohngruppe Angst, er könnte sich selbst verletzten. Deshalb riefen sie die Polizei. Als die Polizei eintraf, saß Mouhamed in der hintersten Ecke eines Innenhofs. Er war keine Gefahr für irgendjemanden. Dennoch entschied sich die Polizei, den Hof zu stürmen. Sie griffen Mouhamed mit Pfefferspray an. Als er dann aufstand, schossen sie mit zwei Tasern und einer Maschinenpistole auf ihn. Mouhamed starb kurz darauf im Krankenhaus. Der Tod von Mouhamed Lamine Dramé hat uns alle erschüttert.
Bemerkenswert sind die Solidarität und die Rufe nach Aufklärung nach den Ereignissen vom 8.8.2022. Denn diese Geschichte ist bei Weitem kein Einzelfall. Seit der Wiedervereinigung sind alleine durch Schusswaffen mindestens 318 Menschen in Polizeieinsätzen getötet worden. Der Großteil der Todesfälle durch Polizeibeamt*innen (bspw. der Tod von Oury Jalloh) ist bis heute nicht hinreichend aufgeklärt, geschweige denn aufgearbeitet worden.

Was ist am 08. August und danach passiert? Wieso ist der Fall Mouhamed kein Einzelfall? Wie war die Reaktion von Politik und Polizei? Und wie hat die Zivilgesellschaft reagiert?
Diese und weitere Fragen wollen wir mit William Dountio (Bildungsreferent, Aktivist, Nordstadtbewohner, Empowermentcoach) klären.
Kommt zum Vortrag am 16.11. und zur Demo am 19.11. !

Tag: 16.11.2022

Zeit: 18.00-20.00 Uhr

Ort: AStA-Seminarraum (Emil-Figge-Str. 50)


Ort: AStA-S

10. Tag der Solidarität – Niemand wird vergessen – hiç unutmadık, hiç unutmayacağız!

4. April 2022, 17 Uhr, Gedenkstein Mallinckrodtstraße 190

Am 4. April jährt sich der Mord an Mehmet Kubaşık zum 16. Mal. 2006 wurde er in seinem Kiosk in der Dortmunder Mallinckrodtstraße vom NSU erschossen und war somit das achte Opfer in der rassistischen Mordserie. Seit nun zehn Jahren erinnern wir als Teil des Bündnisses Tag der Solidarität – Kein Schlussstrich Dortmund an ihn und die Opfer rechten Terrors.

Erst die Selbstenttarnung des NSU im Jahr 2011 führte zur Bekanntmachung tiefgreifender rechtsextremer Strukturen und strukturellem Rassismus in der Untersuchung der Mordfälle.

„An diesem Tag habe ich gemerkt, was für eine Last ich jahrelang mit mir getragen habe. Das ist so, als wenn du jahrelang gebeugt sitzt und dich an diesem Tag aufrecht machen kannst!“

Mehmet Kubaşıks Tochter Gamze Kubaşık

Jahrelang wurden Opfer und Angehörige kriminalisiert und in den Medien rassistisch diffamiert. Der Einsatz für eine lückenlose Aufklärung, Anerkennung der Reichweite der Rechtsradikalen Verbrechen und juristischen Verfolgung aller Beteiligten des NSU-Netzwerks, aus Neonazis und V-Männern, hält bis heute an.

Der Mord an Mehmet Kubaşık, Enver Şimşek, Abdurrahim Özüdoğru, Süleyman Taşköprü, Habil Kılıç, Mehmet Turgut, İsmail Yaşar, Theodoros Boulgarides, Halit Yozgat und Michele Kiesewetter sind keine Einzelfälle, sondern stehen in einer langen Reihe rechter Morde wie die in Mölln, Solingen, Hanau, Halle, Kassel und den mehr als 200 weiteren Fällen.

22 Jahre nach dem ersten rechtsradikalen Mord des NSU kämpfen die Angehörigen mit uns zusammen noch immer um Aufklärung. Auch in Dortmund fordern sie unerbittlich weitere Ermittlungen: Warum Mehmet Kubaşık? Wer waren die Unterstützer:innen des rechtsextremen Netzwerks? Was wusste der Staat? Welche Rolle spielt der Verfassungsschutz? Ihre Fragen bleiben trotz der Versprechen, der ehem. Bundeskanzlerin Angela Merkel, unbeantwortet.

„Ich möchte, dass die Leute niemals vergessen, dass dieser Staat und seine Behörden uns erst ernstgenommen haben, als die Nazis sich 2011 selbst zu den Morden und den Anschlägen bekannt hatten“

Gamze bei der Einweihung des Platzes in der Dortmunder Nordstadt, der heute den Namen ihres Vaters trägt.

In Hanau erlebten Angehörige der Opfer des rassistischen Anschlags vom 19. Februar 2020 in diesem Jahr, wie andere über das offizielle Gedenken bestimmten. Die Angehörigen der Mordopfer sind keine Staffage, keine Statist:innen für eine Außenwirkung. Sie sind, wie Ibrahim Arslan, Überlebender des Anschlags von Möllnn 1992, sagt, die „Hauptzeugen des Geschehenen“ und ihre Leben bleiben untröstlich verbunden mit den Verbrechen.

Wir müssen rassistische und diskriminierende Strukturen, Perspektiven und Handlungsweisen in den Institutionen, den Behörden sowie im Alltag aufdecken und entschieden dagegen vorgehen. Machen wir uns stark für die Forderungen der Familie Kubasik um Aufklärung und Gerechtigkeit. Schließen wir uns zusammen für eine solidarische Gesellschaft die sich nicht spalten lässt, denn eins lehrt uns diese Gedenkarbeit: Unser einziger Schutz vor Rechts ist unser solidarisches Zusammenleben gegen ihre Spaltung. Lasst uns am 04.April gemeinsam auf die Straße gehen für Mehmet und alle andern Opfer rechter Gewalt.

Elif und Gamze Kubaşık haben ihre Forderungen klar formuliert:

„Ich möchte, dass alle Helfer, die man kennt endlich angeklagt werden. Jetzt!“

„Alle weiteren Helfer/ Täter müssen endlich ermittelt werden. Auch in Dortmund. Ich will nicht weiter das Gefühl haben weitere Täter zu treffen. Das muss aufhören!“

„Ich will wissen, wie mein Vater als Opfer ausgewählt wurde.“

„Was wusste der Staat?“

„Ich will, dass der Verfassungsschutz endlich sagt, was er wusste. Warum vertuschen die das? Alle Akten dazu müssen auf den Tisch!“

Ihren Forderungen schließen wir uns nach wie vor an! Geht mit uns gemeinsam auf die Straße: am 4. April 2022, 17:00 Uhr, Mallinckrodtstraße 190.

In Erinnerung an Mehmet Kubaşık
und alle Opfer rechter, rassistischer
und antisemitischer Gewalt!
Solidarität statt Schlussstrich!
Schulter an Schulter
gegen Faschismus und Rechtsruck!

„Querdenken“ – Friedliche Bewegung oder Radikalisierung der Mitte?

Der Journalist David Peters im Onlinetalk
30. Juni 2021, 18 Uhr
Einwahl-Link:
https://meet.jit.si/moderated/2a0a1e3aa661fdd1365a910646b9a5bd8747ba45c77484919cf8488295dd2418
Seit etwas mehr als einem Jahr beschäftigt uns nicht nur die Corona-Pandemie, sondern auch die Bewegung der selbsternannten „Querdenker“. Sie lehnen die Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie ab und wähnen sich in einer Diktatur. Während sie sich selbst als friedliche Bewegung sehen, die für Demokratie und Grundrechte eintritt, verbreiten sie massenhaft Verschwörungserzählungen und Antisemitismus. Immer wieder wird über Angriffe auf Journalist*innen und politische Gegner*innen im Rahmen von „Querdenken“-Protesten berichtet. Aber wer demonstriert da eigentlich? Wie friedlich ist die Bewegung wirklich? Und warum haben alle ständig Kameras in der Hand?

Der Journalist David Peters beobachtet die Bewegung von Beginn an. In seinem Vortrag geht er auf die Entwicklung, Selbstwahrnehmung, aber auch Selbstdarstellung der Szene ein.

Abschiebehaft und Corona

Zoom-Talk am 26. Mai: Von der Realität im Abschiebeknast Büren in der Pandemie

Der Abschiebeknast in Büren. Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Unterbringungseinrichtung_f%C3%BCr_Ausreisepflichtige_B%C3%BCren#/media/Datei:UfA_B%C3%BCren.jpg

In Büren ist Deutschlands größter Abschiebeknast. Dort werden Menschen aus fragwürdigen und mehrheitlich rechtswidrigen Gründen eingesperrt, weit entfernt von größeren Städten und den direkten Blicken der Öffentlichkeit entzogen. Auch während Corona wurde und wird weiter abgeschoben – obwohl Gefangene in der Pandemie besonders gefährdet sind. Am Mittwoch, 26. Mai um 18.30 Uhr, erzählt Frank Gockel vom Verein Hilfe für Menschen in Abschiebehaft Büren e.V. von den menschenverachtenden Zuständen im Abschiebeknast Büren und beleuchtet, was Corona für die dort inhaftierten Menschen bedeutet. Abschiebehaft und Corona weiterlesen

Tag der Solidarität – Solidarität statt Schlussstrich!

03.04. Onlinetalk mit Caro Keller von NSUwatch über den Prozess zum Mord an Walter Lübcke, die Kontinuitäten des Rechtsterrors und seine Spuren nach Dortmund

 

2006 wurde der bei vielen beliebte Kioskbetreiber Mehmet Kubaşık von Neonazis des Nationalsozialistischen Untergrundes (NSU) in seinem Kiosk in der Dortmunder Mallinckrodtstraße erschossen. Am 4. April jährt sich dieser Mord nun zum 15. Mal. Neben der Gedenkkundgebung am 4. April gibt es einige weitere Veranstaltungen. Unter anderem laden wir am 3. April um 18 Uhr zu einem Online-Talk mit Caro Keller von NSU Watch über den Mord an Walter Lübcke, den NSU-Komplex und die Spuren des Rechtsterrorismus, die auch nach Dortmund führen.
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Jeder Tag ist Frauen*kampftag – Aktionswoche ab 1. März

Vor dem Bildschirm, auf der Straße

Bereits seit mehr als 100 Jahren ist der 8. März internationaler Frauen*kampftag. Bereits seit mehr
als 100 Jahren nutzen Menschen diesen Tag, um auf die Diskriminierung hinzuweisen, welche
Frauen* tagtäglich widerfährt. Auch wenn in diesen 100 Jahren schon viel geschafft wurde, so ist
der Kampf noch nicht vorbei. Das Queer-feministische Referat, das Autonome Behinderten Referat und das Team Diversität des AStA der TU Dortmund haben für dieses Jahr eine einwöchige Frauen*kampfwoche auf die Beine gestellt, welche im internationalen Frauen*kampftag gipfelt. Das ganze Programm findet ihr u.a. auf den Seiten des AStA der TU Dortmund.

Ein Jahr nach Hanau

Kundgebung am 19. Februar: „Kein Vergeben, kein Vergessen, gemeinsam gegen Rassismus“ & Zoom-Talk

Am 19. Februar wird der rassistische und rechtsterroristische Anschlag in Hanau ein Jahr her sein.Neun junge Menschen ermordete er aus rassistischen Motiven, anschließend tötete er seine Mutter und sich selbst. Auch ein Jahr nach dem Anschlag gibt es viele Fragen ohne Antworten, keinerlei Aufklärung und Konsequenzen. Gemeinsam mit der DIDF Jugend Dortmund und vielen anderen Organisationen rufen wir am 19. Februar um 18 Uhr zur Kundgebung an der Reinoldikirche in Dortmund auf. Am 16. Februar gibt es außerdem einen Vortrag der DIDF Jugend Dortmund zum Anschlag und dem Kampf gegen Rechtsterrorismus und Rassismus.

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„Now you see me Moria“ – Plakataktion zum Valentinstag

Es ist eine andere Valentins-Aktion, die sich Geflüchtete in Moria ausgedacht haben: Unter „Now you see me Moria“ haben Designer:innen Fotografien aus dem Refugee Camp an der Europäischen Außengrenze zu Plakaten gemacht. Eine Auswahl haben „Seebrücke Dortmund“ und das Forum gegen Rassismus in den letzten Tagen im Dortmunder Stadtgebiet verteilt – und rufen zur Nachahmung auf.

Der Fotograf Amir H.Z. aus Afghanistan, der im vergangenen Sommer in Moria leben musste, fotografierte das Leben im Lager während des Corona-Ausbruchs dort. Die Fotografin Noemí entdeckte seine Fotos auf Facebook, nahm Kontakt auf – so entstand auf Instagram das gemeinsame Projekt „Now you see me Moria“ (@now_you_see_me_moria). Seit Herbst sind auch Qutaiba aus Syrien und Ali aus Afghanistan Teil des Projekts. „Now you see me Moria“ – Plakataktion zum Valentinstag weiterlesen

6 Monate nach Hanau – Kein Vergeben! Kein Vergessen!

Update: Heute Abend wurde die Demonstration in Hanau vom Oberbürgermeister der Stadt wegen stark gestiegener Corona-Infektionszahlen untersagt. Durch die späte Absage wurde den Organisator*innen die Möglichkeit genommen, die Entscheidungen rechtlich anzufechten. Die Initiative 19. Februar bedauert diese Entscheidung, möchte ihr aber Folge leisten und sagt die Mobilisierung nach Hanau ab. Trotzdem soll es ein Gedenken geben. „Wir werden die Kundgebung streamen und das ganze Land soll sie hören“, teilt die Initiative mit.

Auch wir wollten nach Hanau fahren und unserer Wut über den Anschlag und unserer Solidarität mit den Opfern und ihren Angehörigen Ausdruck verleihen.
Wir haben uns deshalb dazu entschlossen, stattdessen morgen (Samstag, 22.8.2020) eine Demonstration in Dortmund abzuhalten und im Anschluss den die Kundgebung aus Hanau zu streamen. „Auch in Zeiten einer Pandemie sehen wir es als unsere Pflicht, gegen Rassismus auf die Straße zu gehen“, erklärt Hannah Straub, Pressesprecherin der Demo-Organisation. „Denn für die Betroffenen rechten Terrors ist dieser weiterhin Realität. Sie nicht allein zu lassen ist einer der wichtigsten Schlüsse, die wir als Gesellschaft aus Hanau und den vielen anderen rechten, rassistischen und antisemitischen Gewaltakten ziehen müssen. Hanau war kein Einzelfall und die Aufarbeitung muss weiterhin auf der Tagesordnung stehen. Diese Botschaft wollen wir morgen auf die Straße tragen – egal ob in Hanau oder in Dortmund.“

Startpunkt der Demonstration ist um 13 Uhr am Platz der alten Synagoge.

Aufgrund der steigenden Coronainfektionszahlen möchten wir alle Teilnehmenden der Demonstration daran erinnern, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen, ausreichende Abstände einzuhalten und umsichtig zu sein.

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Kontinuitätslinien – Rechter Terror in Deutschland

In diesem Monat jährt sich der Mord an Thomas Schulz zum 15. Mal. Am 28. März 2005 wurde er vom Neonazi Sven Kahlin erstochen, weil er rechte Pöbeleien nicht unwidersprochen lassen wollte. Zu seinem Todestag wird daher in Dortmund eine antifaschistische Demonstration gegen rechte Gewalt stattfinden. Eine Veranstaltungsreihe widmet sich außerdem der Kontinuität und Verdrängung rechter Gewalt und dem Umgang damit. Die Reihe startet am 12. März: Dann sprechen Caro Keller und Robert Andreasch über Rechten Terror in Deutschland.

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